Es gibt doch noch Hoffnung…

Riechen
Am Montag hatte ich endlich meinen heißersehnten Termin bei der Riech- und Schmecksprechstunde in der Uniklinik Dresden. Seit dem Jahr 2003 leide ich nämlich unter Anosmie. Anosmie bedeutet, dass man nichts mehr riechen kann.

Schmecken
Da der Mensch auch 90 Prozent seines Geschmacks über das Riechen beziehungsweise die Nase abwickelt, kann ich auch nicht mehr richtig schmecken. Unterscheiden kann ich nur noch süß, sauer, salzig, bitter und fettig. Diese Dinge schmeckt man nämlich direkt auf der Zunge.

Erinnerung
Zudem fehlt mir einiges an Erinnerungen. Viele werden nämlich im Zusammenhang mit Gerüchen im Gehirn abgespeichert. An die kann man sich dann nicht mehr erinnern, wenn man die Gerüche nicht mehr “abrufen” kann.

Wie kriegt man Anosmie?
Das Ganze begann bei mir mit einer Erkältung. Weil ich das gute Stück nicht auskuriert sondern weiter gearbeitet habe, gesellte sich noch eine Nasennebenhöhlenentzündung dazu. Das alles wurde mit Nasonex (Kortisonhaltiges Nasenspray) behandelt. Für etwa eine Woche konnte ich nichts mehr riechen, dann ging´s wieder. Nach dem nächsten grippalen Infekt mit Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzüdnung) hatte ich nicht soviel Glück. Mein Geruchsempfinden entschwand und wurde seitdem nicht mehr gesehen.

Ist Anosmie schlimm?
Der Verlust meines Riechsinns traf mich ziemlich hart. Ich hatte lange keine Lust mehr aufs Essen. Wenn Leute in meiner Gegenwart aßen, bekam ich ab und zu richtige Wut auf sie. Außerdem stopfte ich nur noch Sachen in mich rein, die ich “schmecken” konnte. Also Dinge, die tierisch süß, salzig, bitte etc. waren, wie beispielsweise Chips und Schokolade. Viele Erinnerungen fehlten mir plötzlich. Da ich mich selbst nicht mehr riechen konnte, hatte ich immer Angst, dass mein Deo nicht reichen und ich stinken würde. Zudem konnte ich beim Kochen nichts mehr abschmecken. Wenn ich allein im Haus war, hatte ich immer ein ungutes Gefühl. Ich würde es ja nicht riechen, wenn irgendwo Gas ausströmt oder es anfängt zu brennen. Kurz und gut: Es ist richtig Scheiße, seinen Geruchtssinn nicht mehr zu haben!

Wo kann man das behandeln lassen?
Nachdem ich bei allen möglichen Ärzten war und immer gehört habe, dass man daran wohl nichts mehr machen kann, habe ich angefangen im Internet zu recherchieren. Trotzdem war es mein Pa, der auf das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden gestoßen ist. Im Bereich “Riechen und Schmecken” sind sie deutschlandweit (wenn nicht gar europaweit - das weiß ich nicht genau) führend. Ich habe für letzten Montag einen Termin zur Riech- und Schmecksprechstunde bekommen und bin mit meinen Eltern sechs Stunden mit extrem schmerzender Galle nach Dresden gefahren. Ihr seht also: Es war mir seeeehr wichtig.

Was wird untersucht?
Zuerst wird man im dritten Stock von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt gründlich untersucht. Hier wird auch die Krankengeschichte besprochen. Ich hatte noch das Glück, dass ich zusätzlich von der HNO-Chefin für Allergologie/Rhinologie Dr. med. Hauswald untersucht wurde.

Danach geht es in den Keller, wo der Arbeitsbereich Riechen und Schmecken angesiedelt ist. Hier wird mithilfe sogenannter Sniffin´ Sticks (Stifte mit Gerüchen) getestet, ob und wieviel man riecht. Man bekommt eine Maske auf. Beim ersten Durchgang riecht jeweils einer von drei Stiften und man soll sagen, welcher. Dann soll man rausbekommen, welcher von den drei Stiften anders riecht als die anderen. Beim dritten Test soll man rausfinden, nach welcher der vier Geruchsrichtungen ein Stift riecht. Ich konnte bei den drei Test absolut nichts rausfinden und war deshalb ziemlich deprimiert.

Anschließend wird man zu Prof. Dr. Hummel, dem Leiter des Bereichs Riechen und Schmecken, zum Gespräch gebeten. Er hat auf meinen MRT-Unterlagen (Magnetresonanztomographie ähnlich wie Röntgenbilder) nachgeguckt, ob es in meinem Gehirn noch einen Riechkolben gibt. Denn wenn man nicht mehr riecht, bildet das Gehirn den für den Geruch zuständigen Bereich nach einer Zeit zurück. Bei mir ist der Riechkolben mindestens auf einer Seite noch ganz klein da. Das war schon mal toll. Dann wurde ein EEG (Elektroenzephalografie - Aufzeichnung von Gehirnaktivitäten) gemacht, bei dem mir Geruch in ein Nasenloch geblasen wurde. Auch hier wurden minimale Ausschläge auf einer Seite festgestellt. Das ist nicht viel, aber ich kann damit arbeiten!!!

Und wie therapiert man sowas?
Ich muss jetzt unbedingt dafür sorgen, dass meine Nase frei bleibt. Das werde ich mit zwei verschiedenen Nasensprays tun. Da die Riechrezeptoren in der Nase sich vermehren können, wenn sie mehr gefordert werden (Beispiel: Ein Drogenfahndungshund übt mit Drogen und kann diese im Endeffekt besser riechen, weil sich in der Nase neue Rezeptoren gebildet haben und der Bereich im Gehirn durch die vielen Eindrücke wächst…), werde ich jetzt morgens und abends mit vier verschiedenen Gerüchen “üben”. Ich soll jeden Geruch zehn Sekunden riechen und das Ganze dann wiederholen. Zudem werde ich mir einmal am Tag Vitamin A in die Nase träufeln, während ich den Kopf über die Bettkante hänge. Das Vitamin A soll ebenfalls die Rezeptoren im Riechepitel beim Wachsen unterstützen. Ich hoffe so sehr, dass das klappt!

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